In Pecherkreisen kam die Idee
zur Errichtung einer Pecherkapelle auf. Den Gedanken griff Prof. Marx bei
der Feier des Vinzenztages am 2o.1.2001 auf und trug ihn den Pechern vor.
Die ersten Überlegungen über Gestaltung und Finanzierung wurden
angestellt. Zunächst hatte man eine herkömmliche Kapelle im Auge:
geschätzte Material-kosten öS 8o.ooo,-, die Arbeit sollte in Eigenleistung
erbracht werden. Schließlich aber konnte man das Land N.Ö. für
das Projekt interessieren. Es wurde ausgeschrieben und eine Förderung
von zunächst öS 3oo.ooo,- in Aussicht gestellt. Drei Architekten
nahmen am Wettbewerb teil: Mag.arch. Martin Feiersinger, Mag.arch. Jutta
Wörtl-Gössler und Arch. DI Günther Zemann. Am 3. Juli 2oo1
entschied sich dann in St.Pölten eine Fachjury (aus Hernstein waren
9 Vertreter anwesend - natürlich ohne Stimmrecht!) für den Entwurf
von Frau Arch. Gössler.
Es war nicht ganz einfach die Bevölkerung für diese nun doch ganz
andere Variante zu begeistern. Die Subvention seitens des Landes wurde auf
öS 49o.ooo,- aufgestockt und so konnte schließlich am 26.1.2oo2
der Spatenstich erfolgen. Im Mai begannen dann die eigentlichen Arbeiten,
die bis zum Weiheakt am 22. September 2oo2 abgeschlossen sein sollen.. |
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Der Wald an sich, die unterschiedlichen
Bäume, das Gewirr ihrer Äste, der Duft der Nadeln und Blätter,
das eigentliche Rauschen,.... wecken sie nicht unwillkürlich ein
religiöses Gefühl im Menschen?!
("Bäume waren die ersten Tempel der Menschen"
Plinius)
Am Pecherlehrpfad von Hernstein, der den täglichen Weg des Pechers
und seine Arbeit im Wald zeigt, steht nun die VINZENZKAPELLE.
Eine Kapelle der anderen Art, eine kühne Holz-konstruktion, eine
Herausforderung für jeden Zimmermann. Das Fundament hat die Form
eines Dreiecks. Die Pechscharten werden in Dreiecksform in die
Rinde eingestemmt; und das Dreieck ist ein altes Symbol für den dreifaltigen
Gott.
Das Bauwerk hat 3 Seiten:
a) die Bildwand: Das Bild im harz-farbenen Kunstglas entstand durch Überlagerung
der Portraits verschie-dener noch lebender ehemaliger Pecher. Die gemeinsamen
Züge dieser Menschen, die durch die Arbeit im Wald geprägt sind,
sollen den Geist ihres Schutzpatrons (des hl. Vinzenz) in den Tiefen
der Gesichtslandschaften sichtbar werden lassen.
b) die Raumwand: ein hyperbolisches Paraboloid, gebildet aus runden Holz-stehern
mit einseitiger Stulpschalung.
c) der Pecherwald: Man betritt die Kapelle und ist überrascht, dass
sie offen ist. Jeder spürt aber sofort, wie sich dadurch der Innenraum
zum großen Dom des Waldes weitet.
Eine Kapelle ist für die Menschen eine Stätte der Andacht und
inneren Einkehr. Sie erinnert so auch an die Pecherhütte,
die dem Pecher Schutz und Zuflucht bot.
Der Eingang wurde als Enge konzipiert. Man erinnert sich unwillkürlich
an die "Schliefsteine" (vgl. das alte Grab in Alkersdorf). Die
Berührung mit dem Stein wurde als heilsam empfunden; der Durchgang
durch eine solche Enge vermittelte den Gedanken der Wieder-geburt, aber
auch den Gedanken des Fortlebens nach dem Tod; schließlich verstand
man dieses Hindurch-schlüpfen als das Abstreifen der Sünden,
als einen Akt der Reue.
Sie finden in diesem Gebäude nur einen einzigen senkrechten Steher
- er steht für den Pechbaum! Der Baum an sich gilt als Symbol
des Lebens, als Symbol für die vegetative Macht, die Gott der Natur
schenkte; der Harzfluss kann dies noch besonders unterstreichen. Dieser
Steher trägt auch das Kreuz, das für den Christen zum "Baum
des Lebens" geworden ist. Die Entwässerungsrinne an der Bildwand
erinnert an den Lass, den Harzfluss. Die Bildwand weist in Richtung
Pfarrkirche.
Wie sich die Pechscharten, die das Harz in das Pechhäferl leiten,
um den Baum biegen, so biegt sich auch der Raum um die Bildwand. Der verglaste
Teil am First hat die Struktur der Pecherleiter. Im Waldboden findet
man ein großes "X"; wirft man den Blick zurück, entdeckt
man auch die Buchstaben "P" und "I". Diese 3 Buchstaben
ergeben das lateinische Wort "PIX" (= Pech). In der Aufrissbetrachtung
mutiert das PIX zu PAX (= Friede; Friede den verstorbe-nen Pechern, denen
dieses Denkmal auch gewidmet sein soll.)
Im Griechischen steht das X für
"CH" und das P für "R" - dort bilden die beiden
Buchstaben das Christus-monogramm.
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